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 James Krüss

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BeitragSo 23 Dez 2012 - 22:56 Uhr: Thema: James Krüss
   Beitrag ID: #29623 - Erstellt von: Gast

Ich liebe die Weihnachtsgedichte von James Krüss
Hier eine kleine Auswahl

Die Weihnachtsmaus

Die Weihnachtsmaus ist sonderbar
(sogar für die Gelehrten),
denn einmal nur im ganzen Jahr
entdeckt man ihre Fährten.

Mit Fallen oder Rattengift
kann man die Maus nicht fangen,
sie ist, was diesen Punkt betrifft,
noch nie ins Garn gegangen.

Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage,
doch plötzlich aus dem Loch heraus
kommt sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einemmal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.

Da sagte jeder rundheraus:
Ich hab´ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen.

Ein andres Mal verschwand sogar
das Marzipan vom Peter;
Was seltsam und erstaunlich war,
denn niemand fand es später.

Der Christian rief rundheraus:
Ich hab´ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Ein drittes mal verschwand vom Baum,
an dem die Kugeln hingen,
ein Weihnachtsmann aus Eierschaum
nebst andren leck´ren Dingen.

Die Nelly sagte rundheraus:
Ich hab´ es nicht genommen!
Es war bestimmt die Weihnachtsmaus,
die über Nacht gekommen!

Und Ernst und Hans und der Papa,
die riefen: Welche Plage!
Die böse Maus ist wieder da,
und just am Feiertage!

Nur Mutter sprach kein Klagewort.
Sie sagte unumwunden:
Sind erst die Süßigkeiten fort,
ist auch die Maus verschwunden!

Und wirklich wahr: Die Maus blieb weg,
sobald der Baum geleert war,
sobald das letzte Festgebäck
gegessen und verzehrt war.

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus –
Bei Fränzchen oder Lieschen -,
da gäb´ es keine Weihnachtsmaus,
dann zweifle ich ein bißchen!

Doch sag´ ich nichts, was jemand kränkt!
Das könnte euch so passen!
Was man von Weihnachtsmäusen denkt,
bleibt jedem überlassen!


James Krüss


Tannengeflüster

Wenn die ersten Fröste knistern
In dem Wald bei Bayrisch-Moos,
geht ein Wispern und ein Flüstern
in den Tannenbäumen los.
Ein Gekicher und Gesumm
ringsherum.

Ein Tanne lernt Gedichte,
eine Lärche hört ihr zu.
Eine dicke, alte Fichte
sagt verdrießlich: Gebt doch Ruh!
Kerzenlicht und Weihnachtszeit
sind noch weit!

Vierundzwanzig lange Tage
wird gekräuselt und gestutzt,
und das Wäldchen ohne Frage
wunderhübsch herausgeputzt.
Wer noch fragt: Wieso? Warum?
Der ist dumm.

Was das Flüstern hier bedeutet,
weiß man selbst im Spatzennest:
Jeder Tannenbaum bereitet
sich nun vor aufs Weihnachtsfest.
Denn ein Weihnachtsbaum zu sein:
Das ist fein!

James Krüss


Die rote Kugel

Die Kerze knistert und verzehrt sich
ganz leise.
Die rote Kugel dreht und dreht sich
im Kreise.

Zwei Engel, die im Kerzenglanze
so sanft und unbeweglich stehn,
die müssen sich zum Festtagstanze
im roten Glas gespiegelt sehn.

Und dann ein Glanz, ein blankes Näschen
und ein weitoff´ner Kindermund,
und dann ein Schokoladenhäschen
in dieser Kugel, rot und rund.

Und bunte Kleider und Gesichter
und nichts, was ruht und stille steht,
gespiegelt unterm Schein der Lichter
und ewig um und um gedreht.

Die Kerze knistert und verzehrt sich
ganz leise.
Die rote Kugel dreht und dreht sich
im Kreise.

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